Auslandspraktikum bei Würth Niederlande – Woche 6

Nachdem ich in den letzten Wochen viel über meinen Arbeitsalltag und Ausflüge berichtet habe, will ich diese Woche auf die Unterschiede zwischen Holländern und Deutschen eingehen sowie von diversen Clichés berichten.

Einkauf beim Albert

“Ich bin mal beim Albert”
Damit kündigen wir unsere Einkäufe in der nahegelegenen Filiale von Albert Heijn, eine der grössten Supermarktketten in den Niederlanden, an. Dort findet man alle erdenklichen Lebensmittel fertig abgepackt. Kartoffeln geschält, Kartoffeln geschält und geviertelt, Kartoffeln geviertelt und gewürzt, usw usf. Dies könnte ich jetzt noch beinahe unendlich lange weiterführen.

Während der Grossteil der Lebensmittel deutlich teurer als in Deutschland sind, so gibt es auch wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel Energydrinks, die teilweise bis zu 80 Cent günstiger sind.

Das Mittagessen – eine Herausforderung für sich

In Holland wird mittags nicht warm gegessen, sondern erst abends gekocht, was für mich erst einmal eine starke Umstellung war.
Während ich von unserem Betriebsrestaurant in der AW KG an das Pastabuffet, die Salatbar, den Wok und die vielen anderen warmen Speisen gewöhnt war, erwartete mich hier in Holland lediglich eine Auswahl an belegten Brötchen, zwei verschiedene Suppen, ein paar wenige Salate und diverse frittierte “Köstlichkeiten”.
Als wir einmal auswärts in einer Kantine gegessen haben, bewegte ich mich aufs Glatteis, als ich Kroketten bestellte und mich schon auf die deutschen Kroketten mit Kartoffelfüllung freute. Als ich diese jedoch anschnitt und nur einen grauen Mischmasch aus Fleischstreifen und undefinierbarer Masse erblickte, war es auch schon wieder vorbei.

Als Vegetarier ist es also alles andere als einfach ein “normales” Mittagsessen zu finden, weswegen ich mir oft selbst Brote belege.

Brot…oder so etwas in der Richtung

Wo wir auch schon wieder zur nächsten, harten Umstellung kommen: das holländische “Brot”, welches mit sehr lapprigen Toast zu vergleichen ist.

Nachdem ich zu Beginn meines Auslandspraktikums alle mögliche Brotsorten, welche im Albert Heijn erhältlich sind, durchprobiert hatte und leider nichts gefunden hatte das mich begeisterte, nahm ich bei meinem nächsten Kurzaufenthalt in der Heimat einige Brote und Brötchen mit und muss so nicht mehr auf diesen Genuss verzichten.

Selbst ist der Mann

Diese “Misere” beim Essen führte dazu, dass Kevin und ich uns den Gegebenheiten anpassten und dementsprechend auch abends warm essen. Nachdem wir in den ersten Wochen kaum von unserem wöchentlichen Speiseplan “Pizza, Nudeln, Toast, Pizza, Toast, Nudeln, Pizza” abwichen, so fingen wir nach und nach an, selbst kreativ zu werden. Momentan finden sich eher Bratkartoffeln mit Tofu und Tomaten und Paprika, Rührei, Maultaschen mit Zwiebeln (bei Kevin) oder frisch belegte Toasts mit viel Gemüse auf unseren Tellern. Das Auslandspraktikum ist also auch in diesem Hinblick eine wahre Horizonterweiterung für uns 😉

Holländische Leckereien

Doch genug gejammert: Natürlich gibt es hier auch genug Speisen, die man so in Deutschland nicht bekommt.
Ein lokales Beispiel ist der “Bosssche Bollen”, eine Art Teigbollen, gefüllt mit Sahne, umhüllt von einer Schicht aus Schokolade. Diese Kalorienbombe genossen wir, als wir einmal mittags in s’Hertogenbosch in einem Café sassen und das Treiben auf dem Marktplatz beobachteten.

Auch sehr lecker sind die “Stroopwafels”: Das sind Waffeln, in deren Mitte eine Schicht aus Karamel- oder Erdbeerfüllung ist. Was ich bei kaum einem Frühstück mehr vermissen will, und was ein typisch holländisches Essen ist, sind mit Schokostreuseln berieselte Brote.

Fernsehen

Da Holland ein relativ kleines Land gibt, gibt es hier nur wenig synchronisierte TV-Serien. Ein Grossteil der Serien und Spielfilme wird hier also lediglich mit holländischem Untertitel gezeigt, was dazu führt das nahezu jeder Holländer sehr gut englisch spricht.

Man kann als Ausländer also wirklich jeden Passanten in Holland nach dem Weg fragen, er versteht einen immer, was so zum Beispiel in Frankreich, Spanien, oder auch Deutschland auf keinen Fall üblich ist.

Überfüllte Strassen und Kanäle

Was Holland zu Deutschland deutlich unterscheidet, sind die Verkehrsmittel. Während man in Deutschland lediglich in Studentenstädten wie Karlsruhe auf viele Fahrradfahrer trifft, so bevölkern diese hier überall die Strassen. In grösseren Städten oder Bahnhöfen geht es sogar so weit, dass es eigene Tiefgaragen und Parkhäuser gibt, in denen man sein Fahrrad parken kann! Jeder der schon einmal am Bahnhof in Amsterdam war, hat dort bestimmt auch schon den riesigen Fahrradabstellplatz gesehen, wo sicher mehrere hundert Fahrräder auf ihren Besitzer warten.
Um die von LKWs überfüllten deutschen Autobahnen zu entschlacken, wird über die Einführung von Gigalinern nachgedacht oder viele Autobahnen ausgebaut, so dass sie drei oder sogar vier Spuren haben. In Holland ist das Problem der überfüllten Autobahnen wesentlich kleiner: Hier wird ein grosser Teil der Waren auf Schiffen über die zahlreichen Kanäle transportiert.
Doch auch hier gibt es Platzprobleme: Täglich müssen etliche Schiffe durch die Innenstadt von s’Hertogenbosch fahren, dort mehrere Schleusen passieren und stets darauf, dass die Zugbrücken, über welche die Autos den Kanal überqueren, hochgezogen werden. Deswegen wurde beschlossen einen Umgehungskanal anzulegen, welcher hinter unserer Firmenzentrale in s’Hertogenbosch und später sogar knapp an unserem Haus vorbei führt und so die komplette Innenstadt umgeht. Bis dieses Grossprojekt beendet ist, dauert es jedoch noch ungefähr 3 Jahre.