Soziales Lernen!

„The Cost of Happiness“  beschrieb Razwan, der mit uns arbeitende Praktikant aus Rumänien, die Lage, in der sich die Besucher der Schuppachburg, vorwiegend Obdachlose oder andere sozial schwache Menschen,  befinden. Denn „Cost“  heißt auf Deutsch übersetzt nicht nur Preis, sondern steht zugleich für die gesamten Kosten, die ein Produkt oder eine Dienstleistung umfassen.

Die Arbeit in den Projekten…

Für die Gäste sind diese Kosten 1,50 € für ein warmes Mittagessen oder die 40 Cent für eine heiße Tasse Kaffee. Aber nicht nur die gratis Backwaren, die der ortsansässige Bäcker vom Vortag aufbewahrt und spendet, welche dann an die Bedürftigen verteilt werden, sind ein Grund für die oftmals selben Gäste, wieder zur Schuppachburg zu kommen. Denn in einer bestimmten Art und Weise ist diese Einrichtung wie eine „Coast of Happiness“ , eine Küste, an der die im System gestrandeten Menschen ein Dach über dem Kopf haben, etwas zu essen bekommen, ihre Wäsche waschen oder sich duschen können. Wenn man nur einen Tag in dieser Einrichtung verbracht hat, wird einem bewusst, wie viel Wert einfachste Sachen wie eine Wohnung oder ein geregeltes Einkommen haben.

…erweitert die Gedanken und den Horizont!

Oftmals macht man sich Gedanken darüber, welches neue Paar Schuhe schön ist oder ob man abends mit Freunden essen geht ohne groß über den Preis nachzudenken. Für die Summen, die an solch einem Abend zusammen kommen, kann eine Person oftmals einen ganzen Monat in der Schuppachburg essen und sich wenigstens ein bisschen geborgen fühlen. Das Tagesessen variiert aufgrund der ankommenden Spenden von Marktständen und Metzgereien der Umgebung, sowie der vorrätigen Nahrungsmittel, die aus dem erzielten Gewinn durch die Einnahmen beim Verkauf von Essen und Getränken gekauft werden. Jürgen Sanmann, Sozialarbeiter in der Schuppachburg zu den Preisen: „ Mein Ziel ist es, die Preise möglichst gering zu halten, um den Gästen die Ausgaben so gering, wie nur irgend möglich zu halten. Jedoch muss auf steigende Preise des Kaffees oder der Nahrungsmittel im schlimmsten Falle mit einer Preiserhöhung reagiert werden. In einem guten Monat erwirtschaften wir sogar ein leichtes „Plus“ in die Kasse, was uns den nächsten Monat erleichtert.“

Projekte in der Schuppachburg

Zudem gibt es außer dem Angebot an Speisen und Getränke auch Sozialisierungsprojekte, um langzeitarbeitslose auf einen geregelten Tagesablauf einzustellen. Dazu können diese in der „Haller Arbeit“ auf 1,50 €-Basis zusammen mit ehrenamtlichen Helfern einen Gebrauchtwaren-Laden mit Möbeln und Haushaltsgegenständen aus Wohnungsräumungen, die teils für sehr niedrige, teils für hohe Preise abgegeben werden. Die Lebensmittel, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, werden von benachbarten Supermärkten angeliefert und zu äußerst niedrigen Preisen verkauft. Durch eine Mischkalkulation finanzieren die Kunden, welche teure Möbel kaufen die günstigen Preise der bedürftigeren Kunden mit. Somit müssen nur nach extremen Kostenanstiegen die Preise angehoben werden. Im Brenzhaus Schwäbisch Hall findet in den Jugendräumen jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr ein Kunstprojekt unter professioneller Leitung aus der Kunsthalle Würth statt. Die Werke werden dann in der Schuppachburg ausgestellt. Durch den Aufwand, den die „Kunstaktiven“ betreiben und die Werke, die daraus entstehen, lernen die Besucher der Schuppachburg wieder, durch Arbeit einen Erfolg zu erzielen.

“Nichts, das sich zu haben lohnt, fällt einem in den Schoß”

Durch die Arbeit in der Schuppachburg ist uns bewusst geworden, dass wir mehr haben, als wir eigentlich dachten. Einfache Standards, wie einen geregelten Tagesablauf, ein geregeltes Einkommen oder ein Dach über den Kopf gewannen bei uns zunehmend an Bedeutung. Vor allem die Tatsache, dass auch Jugendliche zwischen 18 und 20 Jahren, Leute in unserem Alter, Sozialstunden in der Schuppachburg ableisten müssen, obdachlos sind  und schwerwiegende Probleme mit Drogen haben, führte uns diese harte Welt vor Augen, die sonst eher im Verborgenen, parallel zu unserer schönen Seite abläuft. Wir, Ludwig und Ich, konnten viel in der kurzen Zeit in Schwäbisch Hall lernen und sehen nun die Welt aus einem anderen Blickwinkel als zuvor. Denn entscheidend ist nicht immer der Preis, sondern die Kosten, die auch viele nicht messbare Werte umfassen.

Jedoch muss in jedem Falle beachtet werden: Nichts, das sich zu haben lohnt, fällt einem in den Schoß.